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Große Teile gehen an Lufthansa Air Berlin wird zerschlagen

Deal mit Lufthansa steht Verkaufsprozess von Air Berlin kommt voran

Beim Verkauf von Air Berlin ist die Lufthansa der große Gewinner. Wie erwartet, geht der größte Teil der insolventen Airline an den deutschen Marktführer - was sich auch auf die Ticketpreise auswirken könnte. Wer den Rest vom Kuchen bekommt, hängt noch in der Schwebe. Für die Air-Berlin-Mitarbeiter bleibt es bei einer Zitterpartie.

Die Frist ist abgelaufen, Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft wird aufgeteilt: Wie Lufthansa-Chef Spohr am Morgen mitteilt, wollen Lufthansa und Air Berlin gegen Mittag den Kaufvertrag für große Teile der Airline unterschreiben.

Wichtige Weichenstellung im deutschen Luftverkehr: Vertreter der Deutschen Lufthansa und Air Berlin wollen nach Ablauf der Frist im Bieterverfahren für die insolvente Fluggesellschaft gegen Mittag einen Kaufvertrag für große Teile des Unternehmens unterzeichnen.

"In der Tat ist das heute ein großer Tag, den wir in ein paar Stunden mit der Unterschrift besiegeln", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Morgen. Für 12.00 Uhr sei der Notartermin geplant, erklärte er. "Wir werden heute einen Meilenstein in der Geschichte von Lufthansa und Air Berlin sehen."

Zu einer vollständigen Übernahme kommt es allerdings nicht: Mit den Unterschriften von beiden Seiten wird lediglich der Verkauf wichtiger Teile von Air Berlin besiegelt. Damit kommt das Geschäft einer Zerschlagung von Deutschlands zweitgrößter Airline gleich, die lange als wichtigster Wettbewerber der Lufthansa im Heimatmarkt galt.

81 Jets und 3000 Air-Berliner?

Der Dax-Konzern Lufthansa hatte im Vorfeld angekündigt, auch einen Teil der Air-Berlin-Mitarbeiter übernehmen zu wollen. Der "Rheinischen Post" erklärte Spohr zuletzt, die Lufthansa werde von Air Berlin "voraussichtlich 81 Flugzeuge übernehmen, 3000 Mitarbeiter einstellen und dafür in Summe 1,5 Milliarden Euro investieren". Air Berlin hatte mitgeteilt, die Airline sehe gute Chancen, dass insgesamt etwa 80 Prozent der 8000 Mitarbeiter bei anderen Unternehmen einen neuen Arbeitsplatz erhalten könnten.

Der Vertragstermin fällt nicht zufällig auf diesen Donnerstag: Bis zum 12. Oktober lief die Frist, bis zu der die hochverschuldete Air Berlin exklusiv mit dem deutschen Branchenprimus und dem britischen Billigflieger Easyjet um eine Übernahme von Teilen der Gesellschaft verhandelte. Fraglich war zuletzt, ob auch eine Einigung mit Easyjet gelingt.

Air Berlin hatte am 15. August Insolvenz angemeldet und will nach Angaben eines Sprechers voraussichtlich am Nachmittag offiziell bekanntgeben, welcher Bieter während der am Donnerstag endenden exklusiven Verhandlungen mit Lufthansa und Easyjet den Zuschlag für welche Unternehmensteile erhalten soll.

Abschied vom Airline-Code AB

Der Flugbetrieb bei Air Berlin wird seit Mitte August seitdem nur durch einen Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro gesichert. Seit 25. September ist bekannt, dass Air Berlin alle Langstreckenflüge am 15. Oktober einstellt. Generell wird Air Berlin voraussichtlich ab Ende Oktober nicht mehr unter eigener Flugnummer fliegen, wie es in einem Brief der Firmenleitung an die Mitarbeiter hieß.

Der insolventen Gesellschaft sei ein eigenwirtschaftlicher Verkehr unter dem Airline-Code AB "nach gegenwärtigem Erkenntnisstand spätestens ab dem 28. Oktober nicht mehr möglich". Tickets für spätere Flüge verlieren ihre Gültigkeit.

Ab 28. Oktober wird Air Berlin demnach keine Flüge mehr unter eigenem Code anbieten, sondern nur noch als Dienstleister für die Käufer agieren, bis die EU-Wettbewerbshüter den Verkauf geprüft haben. Der Flugverkehr der nicht insolventen Töchter Niki und LG Walter soll dagegen weitergeführt werden.

Quelle: n-tv.de , mmo/AFP/dpa/rts

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