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Schlummerndes Kurspotenzial Europa hat Qualität zu bieten

Mit den Kaffeekapseln von Nespresso macht Nestlé einen beachtlichen Umsatz.

Mit den Kaffeekapseln von Nespresso macht Nestlé einen beachtlichen Umsatz.

(Foto: dpa)

Das Interesse internationaler Investoren an europäischen Aktien nimmt zu. Allerdings klettern diese nicht quer durch die Bank. Wer zu den Favoriten gehört.

Die Korrektur am Aktienmarkt in Europa weitet sich aus. Zuletzt sorgte die Sitzung der US-Notenbank für zusätzlichen Abgabedruck. Obwohl sich das Wachstum der US-Wirtschaft abgekühlt hat, will Fed-Chefin Janet Yellen die Geldpolitik weiter verschärfen, was die Wirtschaft zusätzlich bremst.

Damit trüben sich die Perspektiven nicht nur für die US-Unternehmen ein, sondern auch für exportabhängige Firmen aus Europa. Dennoch dürften Investoren weiterhin verstärkt auf europäische Aktien setzen. Der Grund: Während US-Aktien höher bewertet sind als selten zuvor, sind die hiesigen Papiere bei Weitem noch nicht so teuer, sondern werden mit einem deutlichen Bewertungsabschlag gegenüber dem 2007er-Rekord gehandelt.

Im derzeit unsicheren Konjunkturumfeld dürften vor allem Qualitätsaktien gefragt sein. Deren Geschäft könnte sich auch dann gut entwickeln, wenn die Wirtschaft etwas Gegenwind bekommen sollte. Der Indexanbieter MSCI macht Qualitätsaktien vor allem an drei Kennzahlen fest: hohe Eigenkapitalrendite, stabiles Gewinnwachstum und niedrige Verschuldung. Der schwerste Wert im MSCI Europe Quality Index ist Nestlé mit einem Indexgewicht von 5,1 Prozent, auf Platz fünf rangiert der Wettbewerber Unilever mit 3,6 Prozent.

Günstige Bewertung

Trotz der Rekordfahrt hat die Aktie des weltgrößten Nahrungsmittelherstellers Nestlé noch Potenzial, zumal sie in den vergangenen Jahren schon höher bewertet war als aktuell. Während das 2018er-KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) derzeit bei 21,4 liegt, errechnete sich im August 2016 auf Basis der Gewinne des nächsten Jahres ein KGV von 23,6.

Dennoch erhöht Vorstandschef Mark Schneider trotz zunehmenden Wettbewerbsdrucks allmählich die Preise. Er setzt außerdem auf deutliche Kostensenkungen und will bis 2020 für eine deutliche Belebung des Umsatzes sorgen. Unilever hat im ersten Quartal die Preise sogar noch deutlich stärker angehoben als Nestlé. Gleichzeitig liegt das KGV von Unilever mit 20,4 weit unter dem Niveau von August 2016.

Anleger haben verschiedene Möglichkeiten in diese Titel zu investieren, wie Dominik Storhas, Derivate-Experte von Goldman Sachs, erklärt: "Anleger können sich durch den direkten Kauf der Aktie engagieren oder über Indexinvestments, wo das Risiko über mehrere Aktien verteilt werden kann. Eine defensive Alternative sind auch Discount- oder Bonuszertifikate sowie Aktienanleihen, die allesamt einen Puffer gegen fallende Kurse haben können." Beispiele für gut bewertete Aktienanleihen auf Nestlé und Unilever sind die Papiere mit der WKN VL1GA5 (währungsgesichert) und HU9XLK. Laufzeitende ist im Juni und März 2018.  

Qualität aus Deutschland

Zu den zehn schwersten Werten im Quality-Index gehören außerdem die Pharmakonzerne Roche mit einem Gewicht von 4,8 Prozent, vor dem dänischen Wettbewerber Novo Nordisk (4,1 Prozent), Bayer (3,4 Prozent) sowie den englischen Konkurrenten GlaxoSmithKline (3,5 Prozent) und AstraZeneca (3,2 Prozent). Das KGV von Roche liegt bei 15.

Gegen den zunehmenden Wettbewerbsdruck für seine wichtigsten Umsatzlieferanten Herceptin, Rituxan und Avastin stemmt sich Vorstandschef Severin Schwan nicht zuletzt mit dem neuen Antikrebsmittel Perjeta, das 2016 einen Umsatz von knapp zwei Milliarden Dollar erwirtschaftet hat. Bis 2021 soll er um drei Milliarden Dollar steigen.

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer erfreut sich blendender Geschäfte, weshalb Vorstandschef Werner Baumann im April die Prognose erhöht hat. Er will bis Ende 2017 die Übernahme von Monsanto abschließen. Mit einem KGV von 14,4 ist die Bayer-Aktie viel niedriger bewertet als im Schnitt der vergangenen zehn Jahre, der bei 24 liegt.

In einem etwas unsicheren Konjunktur- und Börsenumfeld sollten Qualitätsaktien gut laufen, zumal die Papiere nicht ganz so teuer sind wie im Durchschnitt früherer Jahre. Dabei könnten die obigen Titel zu den Lieblingen der Anleger gehören.

Disclaimer: Dieser Beitrag stellt keinerlei Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Aktien oder Anlageprodukten dar. Für die Richtigkeit der Daten wird keine Haftung übernommen.

Quelle: n-tv.de

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