Private Finanzen

Dividendensaison läuft an Rekordausschüttungen lassen Anleger jubeln

Von Egmond Haidt und Nicolas Saurenz

(Foto: REUTERS)

Viele Dax-Unternehmen melden starke Ergebnisse für 2016. Während sich einige Aktionäre auf ordentliche Dividenden freuen dürfen, gehen andere leer aus. Wer ist ein Dividendenhit, und wer floppt?

Vorfreude bei den Daimler-Aktionären: Am 29. März findet die Hauptversammlung in Berlin statt, und damit startet auch die Dividendensaison im Dax insgesamt durch. Neuerdings wird bei deutschen Unternehmen am dritten Geschäftstag nach dem Aktionärstreffen die Dividende ausgeschüttet. Zwar soll die Ausschüttung des weltgrößten Premiumherstellers Daimler mit 3,25 Euro je Aktie für 2016 lediglich stagnieren. Dennoch belegt Daimler mit einer Dividendenrendite von 4,5 Prozent Rang drei im Dax. Der Konzern muss mit seinem Geld haushalten, will Vorstandschef Dieter Zetsche doch in den Jahren 2017 und 2018 die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie die Investitionen in Sachanlagen kräftig steigern, um den Autobauer für den zunehmenden Wettbewerb bei Elektroautos und später bei selbst fahrenden Autos hervorragend zu positionieren. Mit einer Dividendensumme von insgesamt 3,5 Milliarden Euro belegt Daimler die Pole Position im Dax, gleichauf mit der Allianz. Der Drittplatzierte Siemens hat mit 2,9 Milliarden Euro bereits deutlichen Abstand.

Hinter Daimler belegt der Konkurrent BMW mit einer Rendite von 4,2 Prozent Rang fünf im Dax. Die Münchener haben zwar mit den jüngsten Ergebnissen Investoren etwas enttäuscht, weil die operative Marge im Pkw-Geschäft unter derjenigen der Daimler-Tochter Mercedes-Pkw lag. Doch auch BMW plant für die Zukunft und will weiter massiv investieren. Dennoch stockt der Konzern die Dividende für die Stammaktien um 0,30 auf den Rekord von 3,50 Euro auf und kehrt damit inklusive der Ausschüttung für die Vorzugsaktion (3,52 Euro) 2,3 Milliarden Euro aus. Vorstandschef Harald Krüger lässt Investoren damit an den guten Ergebnissen für das 100. Jahr der Unternehmensgeschichte teilhaben und signalisiert gleichzeitig seinen Optimismus.

Krüger richtet den Konzern auf die Zukunftsfelder Automatisierung, Vernetzung und Elektromobilität aus. "Wir streben im laufenden Jahr einen leichten Zuwachs der Auslieferungen auf einen neuen Höchstwert an", sagt er. Eine konkrete Prognose dürfte er bei der Bilanzpressekonferenz am 21. März veröffentlichen. Da auch Volkswagen und der Autozulieferer Continental die Ausschüttung deutlich aufstocken, werden die vier Unternehmen aus der Branche laut einer Studie von Andreas Hürkamp, Aktienstratege bei der Commerzbank, insgesamt 7,6 Milliarden Euro an die Aktionäre weitergeben. Damit würden sie knapp ein Viertel der Dax-Dividenden ausmachen, womit der Autobereich die mit Abstand bedeutendste Branche ist.

Versicherer zahlen Rekorddividenden

Laut Hürkamps Schätzungen werden die Dividenden der Dax-Unternehmen insgesamt um 8,6 Prozent auf den Rekord von 31,7 Milliarden Euro steigen. Der zweitwichtigste Sektor ist dabei der Versicherungssektor. Er wird die Ausschüttungen auf 4,8 Milliarden Euro nach oben schrauben. So erhöht die Allianz die Ausschüttung ebenfalls auf Rekordniveau, von 7,30 auf 7,60 Euro, was mit einer Rendite von 4,4 Prozent und Rang vier im Dax bedeutet. Auch die Munich Re will sich nicht zurückhalten und erhöht die Ausschüttung mit 8,60 Euro ebenfalls auf einen Spitzenwert. Das entspricht einer Rendite von 4,8 Prozent, womit sich der Rückversicherer den Spitzenplatz im Dax mit ProSiebenSat.1 teilt.

Doch es glänzt nicht alles bei den Versicherern. Sie bekommen die Niedrigzinsen und den zunehmenden Wettbewerbsdruck in der Brache zu spüren. Allerdings verfügt die Allianz über eine hervorragende Kapitalausstattung und hat daher nicht nur Geld, um eine gute Dividende zu zahlen, sondern um sich auch weiter kräftig nach Übernahmezielen umzuschauen. "Wir sind so stark aufgestellt - wir können beides", sagt Vorstandschef Oliver Bäte knapp. "Wir brauchen kein krampfhaftes externes Wachstum. Das heißt nicht, dass wir nicht möchten, aber wir müssen nicht." Sein Kollege Nikolaus von Bomhard von der Münchener Rück sagt zwar für 2017 einen weiteren Gewinnrückgang voraus. Umso mehr muss sein Vorstandskollege Joachim Wenning, der an der Hauptversammlung am 26. April von Bomhards Posten übernimmt, den Konzern auf Rendite trimmen.

Leer ausgehen werden in diesem Jahr die Aktionäre der Commerzbank und von RWE. Deutschlands zweitgrößte Bank fokussiert sich nach dem Gewinneinbruch für 2016 verstärkt auf das klassische Einlagen- und Kreditgeschäft. 2017 soll gerade die Vorsorge für die Kreditausfälle für Schiffsfinanzierungen weiterhin hoch bleiben. RWE hat 2016 zwar mit 5,7 Milliarden Euro den größten Verlust der Firmengeschichte verbucht und daher das zweite Jahr in Folge die Dividende für die Stammaktien gestrichen.

Doch Vorstandschef Rolf Martin Schmitz geht davon aus, dass der Versorger das Schlimmste hinter sich hat und es 2017 aufwärts geht. Er stellt daher für 2017 eine Dividende von 0,50 Euro in Aussicht, die in den Folgejahren mindestens stabil bleiben soll. "Durch unsere erfolgreiche Neuaufstellung und massive Kosteneinsparungen haben wir die Weichen dafür gestellt, im nächsten und in den folgenden Jahren wieder verlässlich eine Dividende zahlen zu können", sagte Finanzchef Markus Krebber. Investoren honorieren die sich aufhellenden Perspektiven, weshalb die Aktie in den vergangenen Monaten kräftig gestiegen ist.

Die Dax-Unternehmen sollten in den nächsten Monaten Investoren mit Rekorddividenden erfreuen. Allerdings sollten Anleger nicht nur auf die Höhe der Dividendenrendite schauen, sondern auch ob die Gewinne der Unternehmen in den nächsten Jahren weiter steigen dürften und die Firmen daher die Dividenden nach oben schrauben könnten. Gerade diese Aktien sollten Anleger auch künftig mit soliden Kursgewinnen überzeugen.

Quelle: n-tv.de

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