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Umbruch in der Energiebranche Chefs von Eon und RWE feiern Neuaufteilung

Johannes Teyssen (links) und Rolf Martin Schmitz sehen nur Vorteile durch ihren Coup.

Johannes Teyssen (links) und Rolf Martin Schmitz sehen nur Vorteile durch ihren Coup.

(Foto: dpa)

Die Aufteilung der Versorgersparten ist für die Chefs von Eon und RWE, Teyssen und Schmitz, eine bedeutende Weichenstellung für die deutsche Energiebranche. Deutschland werde als Land der Energiewende gestärkt

Die Vorstandsvorsitzenden der Stromkonzerne RWE und Eon, Rolf Martin Schmitz und Johannes Teyssen, haben den von ihnen eingefädelten Coup in der Strombranche als bedeutende Weichenstellung für den Industriestandort präsentiert. Teyssen sprach bei der gemeinsamen Vorstellung in Essen von einem der "kreativsten Gestaltungsdeals der deutschen Energiebranche", der Deutschland als Land der Energiewende stärke.

Sein einstiger Rivale Schmitz betonte, dass RWE kurz vor dem 120. Jubiläum aus der Position der Stärke heraus den komplexen Ringtausch von Geschäftsfeldern gewagt habe. "Einen Schritt, mit dem wir unsere finanzielle Stabilität ausbauen, Risiken minimieren, Raum für Wachstum schaffen", erklärte der 60-Jährige. Fossile Kraftwerke und erneuerbare Energien seien die zwei Seiten einer Medaille für eine gelingende Energiewende.

Durch den Vertrag zwischen den beiden Stromriesen wird die nicht einmal zwei Jahre alte RWE-Ökostromtochter Innogy zerschlagen und vom Markt verschwinden. Während sich Teyssen das Netzgeschäft mit Strom- und Gasleitungen sichert, gliedert RWE die erneuerbaren Energien der Innogy wieder bei sich ein und bekommt das Eon-Grünstromsegment dazu.

Stellenabbau droht nach Innogy-Zerschlagung

Bei der Innogy-Zerschlagung droht ein massiver Stellenabbau. Bis zu 5000 Jobs könnten wegfallen, wie Eon mitteilte. Teyssen warb bei den Beschäftigten trotzdem um Vertrauen: "Wir haben großen Respekt vor ihrer Leistung", sagte der Manager. Zusammen mit den Eon-Beschäftigten entstehe eine "starke, leistungsbereite und kreative Mannschaft". Bei RWE sollen keine Stellen gestrichen werden. Die Energieriesen wollen die Verteilung der Innogy-Geschäfte bis Ende 2019 abschließen.

RWE wird damit nach eigenen Angaben zur Nummer drei bei Wind- und Solarkraft in Europa. Aktuell kämen die kombinierten Segmente der Eon und Innogy auf 8 Gigawatt an installierter Grünstrom-Leistung, was acht Atommeilern entspricht. Damit stiege der Anteil an kohlendioxidarmer Stromerzeugung auf 60 Prozent (Gas und Erneuerbare). Das Unternehmen könnte damit in Zukunft die wegbrechende Bedeutung der Kohlekraft ausgleichen, die in den kommenden Jahrzehnten aus Klimaschutzgründen vom Netz gehen müssen.

Ebenfalls auf 60 Prozent kletterte der Anteil von Windenergie und Photovoltaik am operativen Gewinn von Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda), wenn die Fusion schon vollzogen wäre. Schmitz machte in seiner Rede aber deutlich, dass er weiter Gaskraftwerke zukaufen will. Zuletzt gab es Gerüchte über Verhandlungen, dass er mit dem Konkurrenten EnBW über den Kauf von Gas- und Kohlekraftwerken verhandelt.

Eon wird ein Netzkonzern

Eon hingegen bekommt die Strom- und Gasleitungen als stabilen Ertragsbringer. Künftig werden die Netze in der neuen Eon statt 65 Prozent operativ für 80 Prozent des Gewinns vor Zinsen und Steuern stehen, 20 Prozent sollen aus dem Vertrieb kommen. Das Netzgeschäft ist staatlich reguliert und verspricht auskömmliche Renditen.

Durch die Kontrolle der Netze will Teyssen künftig mehr Möglichkeiten haben, seine neuen Produkte aus der digitalen Stromwelt und bei der Elektromobilität an die 50 Millionen Kunden zu bringen. "Diese Netze sind die Plattform für neue Lösungen", sagte Teyssen.

Quelle: n-tv.de , wne/DJ/rts

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