Anleihen

Hohe Schuldenberge in Europa Wirtschaftsboom entlastet Staatshaushalte

Klare Regeln, hohe Schulden: Europa erlebt eine Phase des wirtschaftlichen Wachstums.

Klare Regeln, hohe Schulden: Europa erlebt eine Phase des wirtschaftlichen Wachstums.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Aufschwung ist da, die Staatsschulden sinken: Das Statistikamt Eurostat misst europaweit einen deutlichen Rückgang. Deutschland verstößt allerdings weiterhin gegen die Maastricht-Regeln. Und nicht nur in Athen bleibt die Schuldenlast bedenklich hoch.

Mit dem kräftigen Konjunkturaufschwung sind die Staatsschulden in der Eurozone im dritten Quartal 2017 spürbar gesunken. Der öffentliche Schuldenberg ging gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 89,0 Prozent im Vorquartal auf zuletzt 88,1 Prozent zurück, wie die Statistikbehörde Eurostat mitteilte. In absoluten Zahlen fiel der Schuldenberg von 9,752 auf 9,742 Billionen Euro.

In der Gruppe der 28 EU-Staaten (EU-28) sank die Staatsschuldenquote dank sprudelnder Steuereinnahmen insgesamt von 83,3 auf 82,5 Prozent, was in Euro einem Rückgang von 12,533 auf 12,508 Billionen entspricht. Von einer Entwarnung kann allerdings noch lang keine Rede sein: Noch immer sind zahlreiche Euro-Staaten gefährlich hoch verschuldet.

Die höchste Verschuldungsquote im Verhältnis zum BIP verzeichnen die Statistiker noch immer in Griechenland mit 177,4 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Italien kommt demnach auf eine Schuldenquote von 134,1 Prozent, Portugal ist zu 130,8 Prozent verschuldet. Die niedrigsten Schuldenlasten weisen demnach Estland (8,9), Luxemburg (23,4) und Bulgarien (25,6) auf. In Deutschland ging die Schuldenquote von 65,9 auf 65,1 Prozent zurück.

Ein gutes Vorbild kann die Bundesregierung damit für niemanden in Europa abgeben: Denn auch mit der etwas gesunkenen Schuldenquote liegt die wirtschaftlich stärkste Volkswirtschaft der Eurozone noch immer jenseits der in den sogenannten Maastricht-Regeln festgelegten Schuldenlimits. Demnach darf der Schuldenstand eines Euro-Mitgliedslandes die Grenze von 60 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung eigentlich nicht überschreiten.

Schmelzende Defizite

Bei den staatlichen Haushaltsdefiziten, also dem Saldo von Ausgaben und Einnahmen, macht sich der allgemeine Wirtschaftsaufschwung etwas stärker bemerkbar: In der Eurozone sind die Defizite im dritten Quartal 2017 insgesamt merklich gesunken. Das saisonbereinigte öffentliche Defizit im Verhältnis zum BIP fiel insgesamt auf 0,3 Prozent, wie Eurostat berichtete. Im zweiten Quartal lag diese Quote noch bei 1,0 Prozent.

Einheitlich berechnete Angaben zu den einzelnen Ländern legte das Statistikamt zunächst nicht vor. In der EU-28 inklusive Großbritannien sank das Defizit von 1,2 Prozent auf 0,6 Prozent.

Quelle: n-tv.de , mmo/DJ

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