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Timing, Gurus, Emotionen Das sind die größten Anleger-Fehler

Auch an der Börse gilt: Was die Zukunft bringt, ist ungewiss.

Auch an der Börse gilt: Was die Zukunft bringt, ist ungewiss.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wer an der Börse investiert, sollte nicht auf schnelle Gewinne hoffen. Andernfalls läuft er in die Falle. Anleger sollten sich davor hüten, die typischen Fehler zu begehen.

Am Aktienmarkt haben sich in den vergangenen Jahren hohe Renditen erzielen lassen. Viele Einzelwerte schafften innerhalb eines Jahres Gewinne von über 100 Prozent. Dazu zählen nicht nur die seit Jahren umjubelten Hightech-Werte wie Facebook, Amazon oder Netflix, sondern auch so profane Titel wie die Lufthansa. Die Airline war 2017 mit einem Kursanstieg von mehr als 140 Prozent die beste Aktie im Dax.

"Die Kurszuwächse der vergangenen Jahre liegen auch an der Alternativlosigkeit von Aktien im Niedrigzinsumfeld", erläutert Jochen Stanzl, Chefstratege beim britischen Broker CMC Markets, die Vorzüge eines Aktieninvestments im Gespräch mit n-tv.de. Zehnjährige Bundesanleihen werfen bei einer Rendite von aktuell 0,3 Prozent kaum Zinserträge ab. "Wer in Anleihen oder Festgeld investiert, erleidet nach Abzug der Inflation meist Verluste", so Stanzl. Aktien bieten neben höherem Risiko auch höhere Renditechancen, doch beim Investment können viele Fehler unterlaufen.

Hohe Erwartungshaltung: Bei der Auswahl einer Aktie schauen Anleger häufig auf die Kursentwicklung in der Vergangenheit. Nicht selten sind bei den besten Aktien Renditen von 500 Prozent und mehr über einen Zeitraum von fünf Jahren herausgesprungen, doch die vergangene Kursentwicklung garantiert nicht die gleiche Tendenz in der Zukunft. Was an der Börse zählt, sind die Prognosen für die Unternehmen und ob sie übertroffen werden können. Anleger sollten nicht zu hohe Erwartungen haben, im Schnitt der vergangenen 40 Jahre haben Aktienmärkte Renditen von etwas unterhalb von zehn Prozent erzielt. Diese Gewinne sind aber über einen langfristigen Anlagehorizont zu realisieren. Das bedeutet gleichzeitig, dass es auch Durststrecken geben kann, wenn das Unternehmen Probleme bekommt. Zwischen 2000 und Anfang 2003 beispielsweise durchlebten die Börsen eine schwere Baisse nach der starken Hausse der Internet- und Medienaktien.

Das falsche Timing: Meist sind kurstreibende Unternehmensinformationen im Aktienkurs eingepreist. Es gibt nicht den besten Zeitpunkt für einen Einstieg in eine Aktie oder einen Aktienindex. "Wichtig ist daher, dass Anleger einen Teil ihres Vermögens in Aktien langfristig ansparen", sagt Heike Fürpass-Peter, Deutschlandchefin von LyxorETF, einem französischen ETF-Anbieter. Sparpläne sind bei vielen Banken und Onlinebrokern möglich, der monatliche Mindestbetrag sind häufig 50 Euro. Mit ETFs und Fonds können Sparpläne aufgesetzt werden, wobei ETFs durch ihre niedrigeren Gebühren häufig günstiger sind. Sparpläne sind nicht nur für Börseneinsteiger eine gute Sache, um sich mit dem Aktienmarkt vertraut zu machen, sondern auch um langfristig Vermögen am Aktienmarkt aufzubauen.

Zu viel Emotionalität: Es gibt sehr viele Gründe für einen Aktienkauf. Anleger sollten sich daher eine Strategie für ihr Engagement überlegen, das zu ihren finanziellen und persönlichen Anlagezielen und Risikoneigung passt. Dann spielen auch Emotionen bei Aktienmarktschwankungen eine geringere Rolle. Anleger neigen dazu, Aktien bei sehr viel Euphorie zu kaufen und zu verkaufen, wenn der Markt Trübsal bläst. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass Anleger Aktien teuer kaufen und billig verkaufen – ein Fehler, denn Korrekturen gehören am Aktienmarkt genauso dazu wie neue Rekordstände.

Vorlieben für Dax und andere vertraute Anlagen: Hierzulande kaufen Anleger gerne Vertrautes, also deutsche Aktien und den Dax. Dadurch bauen Anleger aber ein Klumpenrisiko auf. Das bedeutet, dass sich eine Korrektur in einer Aktie, einem Land oder einer Branche schnell negativ auf das eigene Depot auswirken kann. Es macht daher Sinn, seine Investments über verschiedene Sektoren und Regionen zu streuen. So können Kursrückgänge in einer Aktie oder einer Region durch andere ausgeglichen werden. Durch eine breite Streuung wird das Depot weniger schwankungsanfällig. Anleger können hierfür auch auf ETFs, Fonds oder Zertifikate zurückgreifen, die ganze Aktienmärkte wie etwa die USA oder Europa abdecken.

Gurus hinterherlaufen: Die Börse von so vielen Faktoren beeinflusst, dass niemand die Zukunft genau vorhersagen kann, auch so genannte Gurus nicht. Häufig kündigen sie extreme Kurszenarien wie Crashs oder horrende Kursziele an, die gerne von den Medien aufgegriffen werden. Daher nehmen Anleger diese extremen Vorhersagen wahr, kompliziertere Sachverhalte werden dagegen ausgeblendet. Tatsächlich ist ein Crash am Aktienmarkt aber selten.

Quelle: n-tv.de

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