Private Finanzen

Rasche Erholung unwahrscheinlich Der Aktienmarkt ist angeknackst

Die Rahmenbedingungen für Aktien waren zum Jahresauftakt nahezu perfekt. Nur war das schon alles eingepreist. Nun verunsichert die Angst vor steigenden Zinsen die Aktienanleger.

Ein robustes Wirtschaftswachstum, steigende Unternehmensgewinne, bei niedriger Inflation und noch niedrigerem Zinsniveau – Anfang 2017 herrschte für Anleger ein optimales sorgenarmes Umfeld. Die Aktienkurse kletterten unaufhaltsam in die Höhe – so schien es zumindest. Doch nun hat die Angst vor zu schnell steigenden Zinsen in den USA, aber auch in Europa eine längst überfällige Korrektur eingeleitet.

Stimmung zu positiv …

Angesichts der nahezu perfekten Rahmenbedingungen sind die Aktienanleger fast schon euphorisch gewesen. Der bewährte Bull & Bear Indikator der US-Investmentbank Bank of America Merrill Lynch deutete in den vergangenen Wochen bereits auf einen überkauften Markt hin und hat schließlich Ende Januar ein Verkaufssignal generiert. Der Bull-Indikator der American Association of Individual Investors (AAII) erreichte vor Kurzem mit knapp 60 Punkten sogar den höchsten Stand seit Anfang 2011.

Kurz gesagt: Die Stimmung der Anleger war kaum mehr zu toppen, die guten Nachrichten waren allesamt bekannt und bereits eingepreist. Auch die zuletzt hohen Mittelzuflüsse von Aktienfonds wiesen in den USA auf ein Überhitzen der Märkte hin. Den letzten Kick haben die internationalen Aktienmärkte durch die Steuersenkung in den Vereinigten Staaten erhalten.

Marco Herrmann ist seit 1992 für renommierte Banken und Fondsgesellschaften tätig. Seit 2010 verantwortet er als Geschäftsführer die Anlagestrategie der FIDUKA.

Marco Herrmann ist seit 1992 für renommierte Banken und Fondsgesellschaften tätig. Seit 2010 verantwortet er als Geschäftsführer die Anlagestrategie der FIDUKA.

Wie so oft fallen Korrekturen an den Börsen schärfer aus, als es den Anlegern lieb ist. Immer mehr große Investoren managen ihre Portfolios mit Risikobudgets und reagieren deshalb in Abschwungphasen prozyklisch – was die Tendenz noch einmal verstärkt. Häufig kommen dann noch unerwartete Nebeneffekte hinzu. Im aktuellen Fall hat es die unter Anlegern immer beliebter werdenden Fonds, die auf anhaltend niedrige Schwankungen an den Aktienmärkten setzen, erwischt. Mit Kursverlusten von 90 Prozent und mehr über Nacht haben diese Fonds nicht nur für Schlagzeilen gesorgt, sondern auch über das Hedging der immer größer werdenden Schieflage den Verkaufsdruck im Markt schlagartig verstärkt.

… Korrektur aber kein Crash

Doch nach einem nachhaltigen Börsenbeben sieht es nicht aus. Dazu bräuchte es einen exogenen Schock oder eine deutliche Konjunkturabschwächung. Letztere ist jedoch weit und breit nicht zu erkennen.

Das robuste Wirtschaftswachstum schlägt sich in den Auftragsbüchern der Unternehmen nieder, was wiederum die Gewinnaussichten der US-Konzerne nach oben treibt. In der aktuell laufenden Berichtssaison haben in den Vereinigten Staaten bislang vier von fünf Unternehmen positiv überrascht. In Europa läuft es ebenfalls gut, wenn auch etwas verhaltener als in den USA. In den nächsten Quartalen dürfte hier der feste Euro beziehungsweise der schwache Dollar die Dynamik in der Entwicklung der Unternehmensergebnisse bremsen.

Dazu kommt noch eine unter dem Strich weiter lockere Geldpolitik. In den USA liegen die Notenbankzinsen bei 1,25 bis 1,5 Prozent, was bei Weitem noch nicht restriktiv ist. Zur Erinnerung: Beim letzten Hoch zwischen Mitte 2006 und Herbst 2007 hatte die Fed die Leitzinsen auf mehr als fünf Prozent gesetzt. Und in Europa setzt die Europäische Zentralbank (EZB) erst einmal bis mindestens September ihre monatlichen Anleihekäufe fort. Angesichts einer zuletzt wieder gefallenen Inflation ist hier von höheren Leitzinsen noch gar nicht die Rede. Ähnliches gilt für Japan.

Der Zinsanstieg, den wir im diesen Jahr bei langlaufenden Anleihen bislang gesehen haben, ist ebenfalls als eine Korrektur einer vorhergehenden Übertreibung zu sehen. Die Weltkonjunktur läuft rund und die Notenbanken haben den Krisenmodus verlassen. Einen weiteren deutlichen Anstieg der Zinsen sehen wir jedoch nicht, weil ein nachhaltiger Inflationsschub ausbleibt. Auch der gestiegene Ölpreis dürfte dafür nicht ausreichen. Die US-Notenbank wird daher weiterhin nur sehr vorsichtig an der Zinsschraube drehen. Und bevor die EZB tatsächlich an Zinserhöhungen denkt, wird in Frankfurt noch viel Wasser den Main runterlaufen.

Korrektur noch nicht zu Ende

Der Sell-off hat viele Investoren verschreckt. Durch den Abverkauf hat sich zwar die überkaufte Situation abgebaut, leider sind aber auch vielfach die technischen Aufwärtstrends gebrochen worden und die Charts geben kein klares Bild wider. Eine Kurserholung im "V"-Format ist daher unwahrscheinlich. Zudem führt die deutlich gestiegene Volatilität zwangsläufig zum Abbau von Risikopositionen bei Hedgefonds und institutionellen Investoren. Diese Bereinigung wird sich noch ein paar Wochen hinziehen. Erst dann dürften die guten fundamentalen Daten wieder die Oberhand zurückgewinnen.

Disclaimer

Diese Publikation dient nur zu Informationszwecken und zur Nutzung durch den Empfänger. Sie stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung seitens oder im Auftrag der FIDUKA zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Investmentfonds dar. Die in der vorliegenden Publikation enthaltenen Informationen wurden aus Quellen zusammengetragen, die als zuverlässig gelten. Die FIDUKA gibt jedoch keine Gewähr hinsichtlich deren Zuverlässigkeit und Vollständigkeit und lehnt jede Haftung für Verluste ab, die sich aus der Verwendung dieser Information ergeben. www.fiduka.com

Quelle: n-tv.de

Videos