Private Finanzen

Korrektur abwarten Techwerte sind mehr als FAANG

(Foto: REUTERS)

In den vergangenen Jahren war es ein großer Fehler, nicht bei Facebook & Co. investiert zu sein. Jetzt beginnt der Markt zu differenzieren. Interessant sind langfristig vor allem neue Technologien außerhalb der USA.

Mittlerweile sind die FAANG-Aktien, also Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Alphabet, früher Google, zusammen mehr als drei Billionen Dollar wert. Alleine Amazon und Apple kosten so viel wie alle 30 Dax-Werte zusammen. Rechnet man noch die beiden chinesischen Konkurrenten Alibaba und Tencent hinzu, kommen die weltweit größten Techwerte auf eine Marktkapitalisierung von vier Billionen Dollar.

Bei einem summierten Umsatz von insgesamt 900 Milliarden Dollar und einem Gewinn von rund 150 Milliarden Dollar pro Jahr gehen die Bewertungen grundsätzlich in Ordnung - vorausgesetzt, die Wachstumsdynamik bleibt erhalten. Das ist wahrscheinlich jedoch nicht bei allen Unternehmen der Fall.

Nach Jahren der Kursrekorde entwickeln sich die FAANG-Aktien mittlerweile unterschiedlich. So brach die Facebook-Aktie nach schwachen Quartalszahlen Ende Juli um fast 20 Prozent ein - an einem einzigen Tag. Netflix wurde ähnlich hart abgestraft. Der Streamingdienst gewann im zweiten Quartal in den USA nur etwas mehr als halb so viele neue Abonnenten wie geplant.

Apple und Amazon überzeugten dagegen zuletzt mit ihren Ergebnissen. Ihre Aktien legten weiter zu. Das gilt auch für die Google-Mutter Alphabet und Microsoft. Da nicht mehr alle Kurse steigen, wird der Auswahlprozess schwieriger als in den vergangenen Jahren. Insbesondere Unternehmen, die in weitgehend gesättigten Märkten agieren, lassen beim Wachstum nach und enttäuschen. Das galt zuletzt für Firmen wie Facebook und Netflix, die von Werbeeinnahmen und Usern leben. Netflix könnte zusätzlich durch die Neupositionierung von Disney unter Druck geraten.

Bei Hard- und Softwareproduzenten wie Apple und Microsoft läuft das Geschäft dagegen weiterhin rund. Auch bei den großen Cloudanbietern wie Alphabet, Amazon oder SAP sieht es gut aus.

Interessantes außerhalb der USA

Auch wenn die ganz großen Techwerte aus den USA kommen, gibt es auch in Südamerika, Europa und China attraktive technologische Wachstumsstories. Außerdem zählen nicht nur soziale Netzwerke, Streamingdienste und Cloudanbieter zu den Techwerten. Interessante Geschäftsmodelle gibt es auch unter Internetausrüstern, digitalen Zahlungsanbietern oder Herstellern von Online-Videospielen, also außerhalb der Branchen der FAANG-Aktien.

Allein der Markt für Elektroautos und autonomes sowie vernetztes Fahren könnte bis 2030 auf ein jährliches Umsatzvolumen von 100 Milliarden Dollar wachsen. Im Bereich e-Mobility ist schon heute China führend. Die Metropole Shenzhen hat zum Beispiel schon seinen gesamten öffentlichen Nahverkehr auf Elektrobusse des chinesischen Herstellers Build Your Dreams, BYD, umgestellt. Und die deutschen Autohersteller Daimler, BMW und VW halten zusammen mit ihren Zulieferern im Bereich autonomes Fahren mehr Patente als die amerikanischen Techwerte.

Großes Wachstumspotenzial besteht in den Bereichen Big Data und Cyber Security. Diese wird künftig nicht nur bei Computern eine immer wichtigere Rolle spielen, sondern zunehmend auch bei mobilen Endgeräten und vernetzten Fahrzeugen. Vor allem Investitionen in heute noch zum Teil sehr kleine Firmen dieser Zukunftsmärkte, die über eine hohe Innovationskraft und disruptive Technologien verfügen, versprechen höhere Renditen als die bekannten Dickschiffe aus den gängigen Technologiebranchen. Dem stehen allerdings auch entsprechend höhere Risiken gegenüber. Eine breite Streuung über Regionen und Branchen ist somit unumgänglich. Anlegern, denen das entsprechende Know-how fehlt oder denen das zu mühsam ist, bieten sich Fondslösungen an.

Außerdem ist ein schrittweiser Einstieg über einen längeren Zeitraum empfehlenswert. Denn die Aktienmärkte bleiben insgesamt weiter anfällig für Korrekturen. Mögliche Auslöser sind Handelskriege der USA, der Atomstreit mit dem Iran, die Extremistenregierung in Italien oder der Brexit. Gleichzeitig agieren immer mehr Notenbanken immer weniger expansiv oder sogar bereits restriktiv. Schließlich nähern sich die Firmenübernahmen den Rekordwerten der Jahre 2000 und 2007, die jeweils Beginn einer Börsenbaisse waren. Auch mit dem Kauf aussichtsreicher Techwerte können sich Anleger also etwas Zeit lassen.

Richard Lutz verantwortet bei der Wamsler & Co. Vermögensverwaltung unter anderem das Portfoliomanagement. Der Bankkaufmann verfügt über 23 Jahre Berufserfahrung.

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Quelle: n-tv.de