Rohstoffe

Preis über 100 Dollar erwartet Der Ölmarkt ist aus dem Gleichgewicht

Bis zu 80 Millionen Barrel Öl lagern in Cushing, einem der Hauptumschlagplätze für den Rohstoff in den USA.

Bis zu 80 Millionen Barrel Öl lagern in Cushing, einem der Hauptumschlagplätze für den Rohstoff in den USA.

(Foto: REUTERS)

Die globale Ölnachfrage wächst. Wichtige Lieferanten fallen aus. Doch das Ölkartell Opec will nicht noch mehr liefern. Entsprechend schießt der Preis scheinbar unaufhaltsam in die Höhe. Doch ein Ende der Engpässe und des Preisanstiegs ist absehbar.

Der globale Ölmarkt ist aus den Fugen geraten. Zum ersten Mal seit rund vier Jahren schoss der Preis für ein Fass der weltweit als Referenz geltenden Sorte Brent über 80 Dollar. Doch damit dürfte der dramatische Anstieg von rund 45 Dollar im Sommer 2017 noch nicht zu Ende sein. Ölhändler und Analysten prophezeien Preise von 90 Dollar und mehr innerhalb der kommenden Monate. Anfang des nächsten Jahres dürfte laut Schätzungen der Rohstoffhändler Trafigura und Mercuria die 100-Dollar-Marke fallen - bevor es wieder abwärts geht.

Der Marktmechanismus, der Nachfrage und Angebot in den vergangenen Jahren auf einem niedrigen Preisniveau in der Waage gehalten hatte, scheint aktuell nicht mehr zu funktionieren. Während die Nachfrage in den großen Abnehmerländern China und USA zuletzt weiter gewachsen ist, lehnt die Förderländer-Organisation Opec trotz des Preisanstiegs eine Förderausweitung rundheraus ab. Gleichzeitig droht der Iran als bedeutender Exporteur weitgehend auszufallen. Venezuelas Förderung ist im Zuge der Wirtschaftskrise des lateinamerikanischen Landes bereits eingebrochen.

Für den jüngsten Sprung über die 80 Dollar sorgten die Opec und Russland mit einer Abfuhr an US-Präsident Donald Trump. Der hatte mehrfach gefordert, die Ölproduzenten sollten ihre Förderung ausweiten, um unter anderem den erwarteten Ausfall iranischer Exporte auszugleichen, wenn die von Trump selbst erlassenen Sanktionen gegen das Land Anfang November in Kraft treten.

Handelskrieg könnte "Nachfrageschock" auslösen

"Die Opec muss die Preise jetzt senken", hatte Trump per Twitter wenige Tage vor einer gemeinsamen Konferenz von Opec und Russland gefordert - wieder mal. Nach dem Treffen verkündete der tonangebende Ölminister Saudi-Arabiens Khalid al-Falih jedoch kategorisch: "Ich werde die Preise nicht beeinflussen." Weitere Fördererhöhungen nach einer Ausweitung um 600.000 Barrel pro Tag vor einigen Wochen soll es nicht geben.  

Die USA selbst, die dank Fracking ihre eigene Ölproduktion seit 2010 mehr als verdoppelt haben, können kurzfristig die Förderung nicht mehr ausweiten. Denn es fehlen ausreichende Transportkapazitäten von den Schieferölfeldern im Nordwesten von Texas zu den Raffinerien und Industriezentren.

Dieser Engpass könnte aber Ende 2019 mit der Fertigstellung neuer Pipelines behoben werden. Spätestens dann dürften auch andere Faktoren die Balance zwischen Ölnachfrage und Angebot wieder in Einklang bringen. So geht die Opec in ihren Prognosen davon aus, dass die Nachfrage spürbar nachlassen wird, wenn die heißgelaufene Wirtschaft in den USA abkühlt. Dazu, dass die globale Konjunktur und damit auch der Ölverbrauch geschwächt wird, trägt auch der US-Präsident bei: Mit seinem Handelskrieg schade Trump nicht nur der chinesischen, sondern der gesamten Weltwirtschaft, sagte Janet Kong, die Verantwortliche für den asiatischen Ölhandel bei BP, der Finanzagentur Bloomberg. Das könne zu einem "Nachfrageschock" führen, der dem Höhenflug des Ölpreises ein Ende setzen dürfte.

Quelle: n-tv.de

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